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Die Wälder des Active Directory
Die größte Herausforderung bei der Einführung von
Windows 2000 ist der Schritt vom simplen Domänenmodell zu dem komplexen,
hierarchischen Verzeichnisdienst Active Directory. Doch wer sich heute an die
Konzeption des Active Directory macht, muss auch an den nächsten Schritt
denken: Den Exchange Server 2000.
von Martin Kuppinger
Das gilt natürlich nur dann, wenn der Exchange Server als Basis für die
Messaging-Infrastruktur im Unternehmen eingesetzt wird. Sobald aber der Exchange
Server 2000 verwendet werden soll, bedeutet das zwangsläufig auch den Schritt
zum Active Directory. Der Exchange Server 2000 kann damit nur dann erfolgreich
betrieben werden, wenn auch die Herausforderung der Konzeption des Active
Directory erfolgreich gemeistert wurde - auf welche die Anforderungen des
Exchange Server 2000 wiederum erheblichen Einfluss haben.
Grundregeln für das Active Directory-Design
Das Active Directory ist ein hierarchischer, verteilter Verzeichnisdienst mit
hoher Skalierbarkeit. Microsoft hat gemeinsam mit Kunden Tests mit mehr als 64
Millionen Objekten durchgeführt, die vom Active Directory verwaltet wurden. Im
Gegensatz zum bisherigen Domänenmodell können Informationen im Active
Directory sehr viel besser strukturiert werden. Die Organisationsstruktur des
Unternehmens lässt sich feingliedrig abbilden. Dazu werden zum einen Domänen
und zum anderen organisatorische Einheiten (OUs für Organizational Units)
verwendet. Domänen können in Form von Domänenbäumen und diese wiederum als
Forests oder, wie Microsoft sie in unglücklicher Übersetzung bezeichnet,
Domänengesamtstrukturen zusammengefasst werden. Innerhalb von Domänen können
hierarchische Strukturen mit Hilfe von OUs aufgebaut werden.
Ein Domänenbaum ist eine hierarchische Struktur aus Domänen. Diese Domänen
können verwendet werden, um organisatorische Strukturen eines Unternehmens
abzubilden. Den gleichen Zweck erfüllen auch die OUs. Dennoch gibt es keine
vollständige Austauschbarkeit zwischen diesen Strukurelementen. Denn Domänen
des Active Directory fungieren beispielsweise als Grenze für
Sicherheitseinstellungen. Während sich administrative Berechtigungen innerhalb
einer Domäne über alle OUs hinweg vererben, werden sie nicht über die Grenze
einer Domäne hinaus vererbt. Auch Gruppenrichtlinien vererben sich über die
OUs hinweg nach unten, nicht aber über die Domäne hinaus.
Zudem hat die Domäne auch großen Einfluss auf die physische Speicherung von
Informationen. Jeder Domänencontroller hält immer alle Informationen zu einer
Domäne. Das bedeutet auf der einen Seite, dass alle diese Informationen
zwischen den Domänencontrollern einer Domäne vererbt werden müssen. Das
würde für kleinere Domänen sprechen, weil sich daraus auch weniger
Replikationslast zu ergeben scheint. Dem steht aber entgegen, dass bei kleineren
Domänen zum einen insgesamt mehr Domänencontroller erforderlich sind und das
Risiko wächst, dass in einem räumlich verteilten Netzwerk nicht alle
Informationen lokal vorhanden sind. Im Ergebnis sprechen die bei weitem meisten
Argumente dafür, tendenziell größere Domänen aufzubauen. Dafür spricht
auch, dass das Verschieben von Objekten zwischen Domänen sehr viel schwieriger
und aufwendiger als innerhalb einer Domäne ist.
Forests schließlich erlauben die Integration mehrerer Domänenbäume zu einem
Netzwerk mit einer gemeinsamen Sicherheitsinfrastruktur, in dem es durchgehende,
automatisch definierte Vertrauensstellungen gibt und damit jedem Benutzer jeder
Domäne im Forest in jeder anderen Domäne einfach Zugriffsberechtigungen
gewährt werden können. Forests werden immer dann gebildet, wenn die Domänen
unterschiedliche Namensräume wie http://www.kuppinger.com und http://www.it-networks.com
haben, aber dennoch in einem gemeinsamen Netzwerk integriert werden sollen.
Die technische Basis für das Active Directory wird von der Exchange-Technologie
gebildet. Microsoft hat diese als Fundament für die Entwicklung seines
Verzeichnisdienstes verwendet. Dennoch ist der Schritt von den bisherigen
Exchange Server-Verzeichnisstrukturen hin zum Active Directory nicht zu
unterschätzen, da die logische Abbildung von Objekten fundamental verändert
wurde, wie sich schon an den oben beschriebenen Modellen der Domänenstrukturen,
Forests und organisatorischen Einheiten erkennen lässt. Das bedeutet, dass
weder bestehende Exchange Server-Lösungen so einfach übernommen werden können
noch das Active Directory ohne Berücksichtigung der Einflüsse, die durch den
Exchange Server 2000 entstehen, konzipiert werden können. Insbesondere sollte
das Konzept des Active Directory so gestaltet werden, dass der Exchange Server
2000 in optimaler Weise eingerichtet werden kann, ohne dass Objekte zwischen
Domänen verschoben werden müssen.
Einflussfaktoren des Exchange Server 2000
Zwischen dem Exchange Server 2000 und dem Active Directory gibt es eine Vielzahl
von Abhängigkeiten. Das beginnt damit, dass der Exchange Server 2000 das Schema
des Active Directory um gut 150 Objektklassen und über 800 Attribute erweitert.
Rund 275 dieser Attribute - die Zahlen können sich bis zur Final-Version noch
etwas verändern - werden im Global Catalog gespeichert. Dieser stellt einen
Meta-Index für einen Forest des Active Directory dar und speichert wichtige
Informationen aus allen Domänen innerhalb des Forests. Es gibt in der Regel
einen Global Catalog-Server pro Site.
Der Exchange Server 2000 setzt einen direkten Zugriff auf einen Global
Catalog-Server über eine LAN-Verbindung voraus, um effizient kommunizieren zu
können. Dabei ist es auch wichtig, den Site-Begriff des Active Directory zu
verstehen. Sites repräsentieren im Active Directory wirklich nur Standorte im
Sinne der physischen Struktur des Netzwerks und sind von der logischen Struktur
völlig unabhängig. Domänen können sich über mehrere Sites erstrecken,
ebenso wie es in einer Site mehrere Domänen geben kann. Der Site-Begriff des
Active Directory darf also unter keinen Umständen mit dem von früheren
Exchange Server-Versionen verwechselt werden.
Der Global Catalog dient nun auch als Basis für die Global Address List.
Während diese bisher auf Basis aller vom Exchange Server verwalteten Benutzer
erzeugt wurde, finden sich hier nun Informationen aus dem Global Catalog. Da
dieser wiederum Teilinformationen aus allen Domänen eines Forests konsolidiert,
sind in der Global Address List also alle Benutzer eines Forests zu finden. Eine
Exchange-Organisation kann sich nicht über mehrere Forests erstrecken. Hier
kommt noch hinzu, dass mehrere Forests des Active Directory nicht nachträglich
kombiniert werden können, wenn sich das Schema - also das intern verwendete
Datenmodell - unterscheidet.
Unproblematisch sind dagegen die Abhängigkeiten zwischen den Namen. Aus Sicht
der Benutzer sollten die UPN (User Principal Names) von Anwendern zwar identisch
mit den eMail-Adressen sein. UPNs sind einheitliche Namen, die für die
Anmeldung, aber auch die Identifikation von Benutzern verwendet werden können
und beispielsweise die Form mkuppinger@it-networks.com haben. Diese müssen aber
nicht unbedingt identisch mit den beim Exchange Server 2000 verwendeten
eMail-Adressen sein.
Auch die Replikation des Exchange Server wird über das Active Directory
durchgeführt. Das ist auch logisch, da alle Informationen des Exchange Server
im Active Directory gespeichert werden. Teile der Informationen sind dabei nur
innerhalb einer Domäne direkt verfügbar. Dabei handelt es sich allerdings um
Informationen, die insbesondere für systeminterne Zwecke benötigt werden. Die
Informationen wie Benutzername oder eMail-Adresse, die überall innerhalb einer
Exchange Server-Organisation benötigt werden, werden dagegen auch im Global
Catalog gespeichert und damit auch über die Grenze einer Domäne hinweg
repliziert.
Die größten Abhängigkeiten zwischen dem Exchange Server 2000 und dem Active
Directory liegen damit in zwei Bereichen. Zum einen muss die Struktur von
Forests an die geplanten Organisationen des Exchange Server angepasst werden.
Alle Domänen, deren Benutzer innerhalb eines auf dem Exchange Server 2000
basierenden Mail-Systems arbeiten sollen, müssen in einem Forest
zusammengefasst werden. Anders formuliert: Der Exchange Server 2000 zwingt zu
einer - ohnehin unbedingt empfehlenswerten - unternehmensweiten Konzeption für
das Active Directory. Zum anderen muss sichergestellt sein, dass die Server, auf
denen der Exchange Server 2000 ausgeführt wird, lokalen Zugriff zu Global
Catalog Servern haben.
Dagegen hat der Exchange Server 2000 keine signifikanten Auswirkungen auf die
Frage, ob beispielsweise mit Domänen oder organisatorischen Einheiten
gearbeitet werden sollte oder wie das Active Directory logisch aufgebaut wird.
Hier gilt, dass sich die Struktur des Active Directory an der Struktur der
Organisation orientieren sollte. Davon profitieren dann sowohl der Exchange
Server, der dann ebenfalls auf den organisatorischen Strukturen aufsetzt, als
auch andere Anwendungen wie beispielsweise interne "Who is
Who"-Lösungen, die auf dem Active Directory basieren.
Zusammenfassend könnte man auch sagen, dass die Einführung des Exchange Server
2000 dann verhältnismäßig unproblematisch sein wird, wenn man die generellen
Designregeln für die Strukturierung des Active Directory beachtet hat und in
einem unternehmensweiten Projekt mit nur einem Forest gearbeitet wurde.
Designfehler im Active Directory schlagen dagegen auch auf den Exchange Server
2000 durch.
Martin Kuppinger ist geschäftsführender Gesellschafter der Ludwigsburger
IT-Networks GmbH, einem auf Wissens- und Informationsmanagementlösungen
spezialisierten Unternehmen, das unter anderem MCSP und Lotus Business Partner
ist. Er hat bei Microsoft Press bereits drei Bücher zu Windows 2000, darunter
"Windows 2000 Migrationsplanung" und "Windows 2000 Server. Das
Handbuch" veröffentlicht.
IT-Networks GmbH
Martin Kuppinger
Schlossdomäne Monrepos 7
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martin@kuppinger.com
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